Leben und Musik vom Mittelalter zur Neuzeit

Romanische Kirchen, trutzige Wehrburgen mit Adeligen und später den Raubrittern und das Leben in den Klöstern  kennzeichnen gemeinhin das Mittelalter. Das Landleben wurde geprägt von einer neuen Dreifelderwirtschaft, die mit der beginnenden Klimaverbesserung um das Jahr 1000 den weiteren Ausbau von Siedlungen ermöglichte. Städte vergrößerten sich. Ihre Bewohner bauten wehrhafte Mauern und behaupteten sich immer stärker gegen äußere Herrschaftseinflüsse.

Ton: "Exiit diluculo" Carmina Burana, ensemble frühe musik, augsburg

Die Klöster bildeten die Zentren vielfältiger Kultur, bei der die Kirchenmusik eine wichtige Rolle spielte. Minnesänger zogen von Burg zu Burg und sangen von Liebe und Leid. Fremd, orientalisch erklangen die Weisen und Tänze für unsere heutigen Ohren. Von der Musik des Landvolkes ist kaum etwas festgehalten, nur aus dem 9. Jahrhundert ist uns von einem Mönch in St. Gallen ein geistliches Volkslied erhalten. Auch aus den späteren Jahrhunderten bleiben diese geistlichen Lieder die einzigen volkskundlichen Belege. Das erste deutsche Volkslied ist wohl ein "Puren gesangk" (Bauernlied) aus einer alemannischen Handschrift um 1440. 

Um 1500 (Neuzeit) veränderte sich einschneidend das Weltbild mit der Entdeckung Amerikas, mit Forschung und Wissenschaft und einer Geisteshaltung, die sich stärker dem Diesseits zuwandte, aber auch mit der Spaltung der Kirche durch die Reformation. 

Die Klöster Reichenau und St. Gallen hatten kulturell und musikalisch seit dem frühen Mittelalter die Schwerpunkte gebildet, während Weingarten nun in der Renaissance eine führende Rolle übernahm, mit der die anderen Klöster wetteiferten. In Weingarten, Ochsenhausen, Zwiefalten, (Ober)Marchtal, Schussenried u. a. schufen viele, auch oberschwäbische Komponisten reiche Instrumental-, Solo- und Chormusik, die über die Barockzeit in die Zeit der Klassik hinüberreichte.

Neben dieser hohen Kirchenmusik konkurrierten die Hoforchester der Herrschaften von Wolfegg, Kißlegg, Zeil u. a.. Auch bei den selbstbewussten Städtern wurde das Instrumentarium umfangreicher und Stadtregierung und Zünfte regelten zum Teil sehr streng das Tanz- und Musikleben innerhalb ihrer Stadtmauern. 

Ton: Dudelsack: "Am Bodensee" - 1534 (Ott), Balling, 1999

Über die Musikkultur auf dem Lande ist wiederum recht wenig bekannt. Zum Tanz wurde vielfach nur gesungen. Man schritt und hüpfte dazu in einem Kreis oft noch um die Linde, wie wir das in den Kinderreigen bis heute erhalten haben. Ein besonderer Allgäuer "Roien"  wurde überraschenderweise noch um die Jahrhundertwende in der Gegend um Isny aufgezeichnet und ist damit ein Beispiel dieses Reigentanzes, der die Zeit vor 1500 bestimmte. Handtrommel und Pfeife, eine einfache Querflöte ohne Klappen, kamen als Instrumente dazu. Durchreisende Spielleute brachten neben den gerade aktuellen Neuigkeiten über die Lieder weitere Instrumente mit: das Hackbrett, die Drehleier, die Schalmei und den Dudelsack

| Musik im Allgäu - Startseite | zum Museum | © W. Benz |