Schlaginstrumente (Perkussionsinstrumente)

Die Schlaginstrumente bilden neben dem Holz- und dem Blechkörper die dritte Instrumentengruppe im Blasorchester. Man unterscheidet solche, die einen bestimmten Ton erzeugen, von denen, die eine unbestimmte Tonhöhe besitzen und lediglich Geräusch- und Effektinstrumente sind. 

Schlaginstrumente mit bestimmter Tonhöhe

Die Pauken waren schon im 13. Jahrhundert in Europa bekannt. Sie werden meist paarweise verwendet. Beheimatet sind sie im Orient. Pauken und Trompeten gehören zusammen wie Flöten (Pfeifen) und Trommeln. Die alte Zunft der Pauker und Trompeter hatte die Pauke ebenso geschätzt wie die Trompeten. Lange Zeit bildeten die Pauken das Bassinstrument für die Bläser. Heute sind sie mehr oder weniger von rhythmischer Bedeutung. Sie bestehen aus Kupferkesseln und werden daher auch Kesselpauken genannt. Über diese Kessel ist das Schlagfell gespannt (Kalbs- oder Eselshaut). Je nach der Beschaffenheit der Schlegel (Holz, Leder, Schwamm, Filz) können die verschiedensten Schläge und Wirbel ausgeführt werden. 

Pauken (nicht zu verwechseln mit großer Trommel, die in der Mitte angeschlagen wird) werden etwa eine Handbreite vom äußeren Rand angeschlagen. An der Unterseite der Kessel befinden sich die Schallaustrittsöffnungen. Je straffer das Fell angespannt wird, desto höher wird der Ton. Meist werden sie in der Tonika und Dominante gestimmt.  Maschinen- oder Pedalpauken lassen sich blitzschnell in andere Tonarten umstimmen. 

Es gibt Glockenspiele, die mit einer Klaviatur versehen  und in Holzkästen eingebaut sind. Diese finden besonders in der Konzertmusik Verwendung. Das tragbare Glockenspiel, das im allgemeinen mit Lyra bezeichnet wird (was eigentlich Leier heißt), wird besonders bei Marschmusik eingesetzt, wo es die Melodie mitschlägt. Es besteht aus zwei Reihen abgestimmter Stahlplatten, in der rechten Reihe die Töne der C-dur-Tonleiter und in der linken Reihe die Halbtöne. Es wird mit einem Metallhammer angeschlagen. Durch ihr besonders silbriges Schallbild ist sie selbst aus einem Fortissimo blasenden Orchester herauszuhören. 

Röhrenglocken sind abgestimmte lange Metallröhren, die mit einem lederbezogenen Holzhammer angeschlagen werden und einen den Kirchenglocken ähnlichen Klang ergeben. Als Ersatz dienen auch Glockenstäbe aus Eisen.

Das Xylophon ist ein aus abgestimmten Holzplatten hergestelltes Schlaginstrument. Es ist seit dem frühen 16. Jahrhundert bekannt. Holbein hat es bereits im Jahre 1525 in seinem "Totentanz" dargestellt. Der Klang ist fast als gespenstisch zu bezeichnen. Es wird mit Holz- oder Hornschlegeln geschlagen.  Carl Orff  erweckte es wieder zu neuem Leben, indem er es als Schulinstrument für Kinder in seinem Schulwerk einsetzt.

Schlaginstrumente mit unbestimmter Tonhöhe

Die große Trommel wurde von den Türken übernommen und kam Ende des 18. Jahrhunderts nach Deutschland. Sie besteht aus einem Holzzylinder, dessen beide Seiten mit Kalbsfellen bespannt sind. Zum Schlagen dient im allgemeinen ein Filzschlegel. Es lassen sich auf der großen Trommel auch effektvolle Wirbel ausführen. Hierzu nimmt man zwei leichte Filz- oder Korkschlegel, mit denen ähnlich wie bei den Pauken gewirbelt wird. Für besonders harte Schläge benutzt man einen Lederschlegel. Mit dem Schlagzeug fällt und steht die ganze Kapelle.

Meistens bedient der Trommelschläger gleichzeitig auch die Becken, doch ist es besser, wenn zwei Musiker für diese Instrumente eingesetzt werden. -

Die kleine Trommel (franz. Tambour) kam ein ganzes Jahrhundert früher zu uns als ihre große Schwester; sie ist seit dem Ende des 17. Jahrhunderts bekannt. Sie besteht aus einem Metallzylinder, über den die Felle gespannt werden. Im Gegensatz zur großen Trommel, die mit Schnüren gespannt wird, hat die kleine eine Schraubenspannung. Dazu kommen noch sogenannte Schnarrsaiten, die quer über eines der beiden Felle gespannt sind. Ohne diese Saiten würde sie stumpf klingen. Die Felle haben die Eigenschaften von Membranen: wird das eine angeschlagen, so klingt das andere mit. Je nach Spannung des Fells wird der Ton heller oder dunkler. Die kleine Trommel wird mit Holzschlegeln geschlagen; Schläge mit dem Jazzbesen, einem fächerartigen Drahtbüschel, entlocken ihr zischende Geräusche, die an eine Dampfmaschine erinnern (tsch-tsch).

Zur kleinen Trommel gehören die Pfeifer (Spielmannszüge), wie zur Pauke die Trompeter gehören (Fanfarenmärsche). Die Spielmannstrommel ist meistens größer als die Konzerttrommel, auch werden hierfür schwerere Schlegel verwendet, die für Konzertmusik unmöglich wären. 

Die Becken sind tellerförmige Metallscheiben, die aneinandergeschlagen werden und einen grell tönenden Schall ergeben. Man unterscheidet zweierlei Arten: 1. chinesische, deren Ränder hochgebogen sind, was einen klirrenden Schall zur Folge hat. 2. türkische, deren Ränder flach sind, was einen mehr zischenden Schlag ergibt. Meistens wird ein Becken auf der großen Trommel angebracht  Besonders bei Konzertmusik bedienen je ein Trommelschläger und Beckenschläger diese wichtigen Instrumente . Wirbel mit den Schlegeln der kleinen Trommel geben ein effektvolles helles Rasseln.

Die Bezeichnung Batterie umfasst das gesamte Schlagwerk, jedoch ohne Pauken. 

Die Triangel ist ein zu einem Dreieck gebogener Stahlstab,  der an einer Seite geöffnet ist und mit einem Stahlschlegel angeschlagen wird. Das ergibt hell klirrende und sehr durchdringende Geräusche. Wirbel, die durch schnelle Hin- und Herbewegungen mit dem Schlegel in einer Ecke des Dreiecks ausgeführt werden, geben großen Steigerungen einen effektvollen Glanz. In Süddeutschland nennt man sie allgemein die Triangel, während auch der (s. Duden 1999) oder das Triangel (in Österreich) gebräuchlich ist. Logisch wäre das Triangel (von lat. triangulum - das "Drei-Eck", Neutrum). 

Das Tam-Tam ist eine große gehämmerte Bronzescheibe chinesischen Ursprungs. Frei aufgehängt, wird es mit einem Filzschlegel angeschlagen. Leichte, sehr zarte Schläge geben einen lang nachklingenden geheimnisvollen Ton, während es kräftig angeschlagen ein schauerliches Klirren verursacht. Als Ersatz dienen Beckenschläge mit dem Schlegel.

Das Tom-Tom ist eine Felltrommel, die ebenfalls aus China importiert wurde. Die Felle sind mit Nägeln am Holzzylinder befestigt. Schläge darauf ergeben ein kurzes, trockenes Geräusch.

Die Kastagnetten sind spanischen Ursprungs. Zwei lose angebrachte ausgehöhlte Holzteller, rhythmisch geschüttelt, verursachen ein eigenartiges Klappern.

Die Schellentrommel (auch Tambourin oder Handtrommel genannt) ist baskischen Ursprungs (tambour de basque). Ein flacher Holzreif, mit kleinen Schellen durchsetzt, über den einseitig ein Fell gespannt ist. Sie kann geschüttelt oder mit den Fingern geschlagen werden, mit dem Daumen gestrichen oder aufs Knie geschlagen werden.

Der Schellenbaum (Halbmond, Mohammedsfahne) kam in der Zeit der Türkenkriege zu uns. Er hat lediglich repräsentative Bedeutung. Bei Marschmusik wird er vorangetragen, wobei die zahlreichen Glöckchen und Schellen ein fortwährendes feines Klirren verursachen.

Schlaghölzer sind zwei kleine, etwas dicke Rundhölzer, von denen das eine auf die fast zur Faust geschlossene linke Hand gelegt wird (Resonanzraum), während mit dem zweiten darauf geschlagen wird. Sie ergeben trockene, aber klingende Schläge.

Eine Peitsche besteht aus zwei glatten Hartholzleisten, die an der Unterkante mit einem Scharnier befestigt sind. Gegeneinander geschlagen, geben sie einen peitschenähnlichen Knall.

Quellen
Schneider, Willy

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