Die Maultrommel  
    

    Verschiedene Formen
 "Deutsche"  "Ganauser"           "Lyra"             "Eichel"       Gegossener Rahmen
 

Wie so viele unserer Instrumente ist die Maultrommel vermutlich asiatischer Herkunft, denn heute noch ist sie in Südostasien, in Indonesien, aber auch in Afrika gebräuchlich.

Schon im 14. Jahrhundert (Nachweise in Hessen und England) und wohl auch schon früher wurde jedoch die Maultrommel auch in Europa gespielt. Im Kloster Weingarten zeigte 1780 sogar ein Virtuose mit der Maultrommel sein Können. Dieses weitverbreitete Instrument wurde auch "Brummeisen" oder "Maulharfe" genannt und war weniger für die Tanzmusik in Gebrauch. Zwischen den Zähnen eingespannt, wird mit dem Finger das Metallplättchen angezupft. Die Töne lassen sich nur durch durch die Veränderung des Mundraums in den Naturtonintervallen verändern. Deshalb lassen sich wie beim Alphorn nur schwer Melodien spielen.  

Ton: Maultrommel solo, Michael Bredl

Es nimmt bei Volksmusikinstrumenten geradezu eine Sonderstellung ein. Bei den Naturvölkern hatten die vielfach primitiven Klangerzeuger als Mittel magischer Beschwörung ihre Bedeutung und haben sie zum Teil auch heute noch. Es ist anzunehmen, dass die zauberhaft schwirrenden Töne der Maultrommel dazu dienen sollten, Dämonen zu besänftigen oder aber auch die Geister der Unfruchtbarkeit zu vertreiben. 

Früher taten sich die Burschen und Knechte abends zusammen und brachten auf einer Maultrommel der heimlich Angebeteten ein Ständchen, so dass diese ans Fenster gelockt wurde. Die damalige Obrigkeit hatte aber für die weit um sich greifende Unsitte heimlicher Liebeswerbung schließlich doch zu wenig Verständnis und stellte das "Maultrommeln" wiederholt unter Verbot. In  Eglofs haben wir einen anderen Nachweis. Zwar sollten in den "Hof- und Kunkelstuben" die Weibsleute brav ihren Flachs spinnen, aber wir erfahren aus einem Protokollbuch der Herrschaft von Siggen vom 14.3.1659, dass Anzeige erstattet wurde "gegen etwelche so in einer Hofstube ohnerlaubt der Oberkeit nächtlich weil getanzet haben". Die Beklagten verteidigten sich tapfer vor Gericht und erklärten: "Sie haben zwar in der Hofstuben in der Fastnacht getanzet aber ohne Saitenspiel und nur ein Maultrommel gebraucht, pitten um Gnad." Es half nichts. Spielleute und Verheiratete mussten doppelt so viel Strafe bezahlen wie die Ledigen.

Nach 1830 sank die Bedeutung des "Brummeisens". In Konkurrenz zur  Mundharmonika und zum Akkordeon konnte es sich nicht mehr halten. - Leider sind die zarten Klänge der Maultrommel im Westallgäu heute erst selten wieder zu hören. In unserem Musikbeispiel von 1979 spielt das Oberallgäuer Maultrommeltrio Manfred Hüttlinger, Hermann Kracker und Michael Bredl, die sich um dieses kleine Instrument besonders verdient gemacht haben.

Literatur
Abb. Klier S. 72, Benz, Wolfram

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