Die Drehleier, Rad- oder Bauernleier
 
Ton: "Schleifer" Musette (frz.) und Drehleier (Vielle), 18. Jh. "dudlsakh", Georg und Claudia Balling, 1999
 

Nachbau (H. Mossmann)

Die Drehleier gehört wie der Dudelsack zu den Borduninstrumenten, bei denen auf dem gleichen Instrument weitere Töne ständig mitgspielt werden, gleichbleibend meist der Grundton und oft dazu die Quinte oder auch die Oktave. Von einer Kurbel wird ein hölzernes, mit Geigenharz (Kollophonium) bestrichenes Rad gedreht, das die Melodiesaite zum Klingen bringt.

Durch Tasten wird diese verkürzt, und sie erzeugen ähnlich wie die Finger des Geigenspielers die Melodie. Dazu erklingen die Bordunsaiten mit ihrem Dauerton, der eine reizvolle Spannung oder einen weichen Zusammenklang bilden kann. Beim Dudelsack sind dies die "Brummer", die neben der Spielpfeife ständig mitbrummen. 

 

Die Saiten sind mit Watte umwickelt, 
Melodiesaite oben, Bordun- unten, 

die Tasten
rechts verkürzen beim
Drücken die Saiten
Etwas negativ klingt der gleichbleibende Dauerton der Drehleier noch nach, wenn man heute bei einem monoton vorgetragene Gedicht vom " Herunterleiern " spricht. Über den Schnarrsteg wird dazu eine weitere Saite, die "Schnarrsaite", geführt, die durch ruckweises Drehen der Kurbel einen schnarrenden, knatternden Ton erzeugt, der den Rhythmus bestimmt.

 Dudelsackspieler und Drehleierspielerin
(Ch. Murer, Zürich um 1600)

Als gesamteuropäisches Instrument ist die Drehleier natürlich auch im Westallgäu lange gespielt worden. Aus Ravensburg erfahren wir vom "Leyrervolk" (1671) und vom "Leyrergesind"". Der Name "Bettlerleier" weist wieder auf die soziale Stellung der Spielleute hin, besonders während der Zeit des Absolutismus. Mit den wendigeren Streichern und Bläsern konnte schließlich auch die Drehleier nicht mehr mithalten. Sie verschwand aus dem schwäbischen und Allgäuer Raum um 1800.

Erst in den letzen Jahren wurde die Drehleier nicht nur in Volksmusikkreisen wieder "modern".

Quelle: Benz, MGG, Schmidt

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