Die Gitarre
  
Die Gitarre mit achtförmigem Korpus ist im Abendland (besonders in Spanien) seit dem 13. Jahrhundert bekannt. Ihre vermutete Herkunft aus dem Orient ist nicht genau nachzuweisen. Während sie zunächst nur vier Saiten und vier Bünde aufwies, versah man sie im 15. Jahrhundert mit vier doppelchörigen (= je 2 Saiten nebeneinander mit gleicher Stimmung), im 16. Jahrhundert mit fünf doppelchörigen Saiten. Daneben kannte man auch noch eine spanische Form mit 5-7 Saiten. Diese war, von der Bauart her betrachtet, eine Mischung aus Gitarre und Laute.

Ton:
''D'r Roselar", Walzer, Scherrzither mit Gitarre (M. Schraudolf, M. Kern)

Im 18. Jahrhundert schließlich setzte sich die Gitarre einchörig mit 6 Saiten durch und trat in starke Konkurrenz zur Laute. Die Aufzeichnung der Stücke erfolgte zunächst noch in Tabulaturenform (Benutzung von Tonbuchstaben, Tonzahlen und rhythmischen Zeichen), ab 1700 in der uns geläufigen Notenschrift. Besondere Blüte-Epochen erreichte das Gitarrespiel in Italien, Frankreich und Spanien. In Deutschland wurde die Gitarre Anfang des 19. Jahrhunderts zum Modeinstrument. Wien galt als Zentrum des kunstvollen Gitarrespiels; von dort gingen während der Biedermeierzeit Anregungen in die entlegensten Gebirgstäler aus.
 

  
   Wiener Gitarre,
1692

    

 

Gitarre der Jugendbewegung 
um 1925 mit
bemalten 
Seidenbändern

 




Gitarrenlaute, eine Form, die den Lauten  ähnlich ist, aber eine Stimmung wie eine Gitarre besitzt, aus der Zeit der Jugendbewegung 

Vor allem zur Liedbegleitung wurde dieses Instrument bevorzugt. In vielen Gaststuben hing eine Gitarre an der Wand und lud zum Singen ein. Um 1850, als das Zitherspiel immer mehr an Beliebtheit gewann, wurde es um sie ein wenig stiller, aber die Jugendbewegung um 1900 verschaffte ihr einen erneuten Durchbruch.

Auch in die Gesellschaftsmusik hielt die Gitarre immer mehr Einzug. Hier muss besonders ihre Verwendung im Schrammelquartett erwähnt werden. Meist wurde dabei eine Abart, die Bassgitarre (bis zu 12 freischwingenden Basssaiten), gespielt. Dieses Instrument finden wir vereinzelt heute noch bei verschiedenen Besetzungen. 

Ein ungeahnt großer Aufschwung des Gitarrenspiels ist nun in vielen Ländern seit Ende der sechziger Jahre zu verzeichnen. Das Spektrum erstreckt sich dabei vom Jazz und Beat über internationale Folklore bis zur Wiederentdeckung liebenswerter früherer Musikformen. Auch beim Volksmusizieren in unseren Landen hat sich dieses Instrument unentbehrlich gemacht.

Die Mandoline

Mitte des 17. Jahrhunderts ist aus der Mandola, einer Kleinform aus der Lautenfamilie, die Mandoline in Norditalien entstanden. Sie ist an dem halbkürbisartigem Resonanzkörper zu erkennen, der aus schmalen Spänen zusammengesetzt ist. Man unterscheidet die Mailändische von der Neapolitanischen Mandoline. Unsere heutigen Formen sind nach der letzteren gebaut. Die Saiten sind doppelchörig (paarweise auf einen Ton gestimmt) und wie bei der Geige gestimmt auf g, d', a', e''. 

Der Anschlag erfolgt mit einem Spielblättchen. Seine Hochblüte erlebte dieses Instrument um die Wende des 18. Jahrhunderts. Komponisten wie Vivaldi, Mozart, ja selbst Beethoven und Verdi setzten es in ihren Werken ein, aber auch Schönberg, Strawinsky, Webern und Henze wollten nicht auf den charakteristischen Klang dieses Zupfinstruments verzichten.

In Italien ist die Mandoline noch heute sehr verbreitet, jedoch gibt es auch in Deutschland viele Liebhaberzirkel, die das Mandolinenspiel noch pflegen. Dies erfolgt vor allem in Quartettbesetzung mit 2 Mandolinen, Mandola (eine größere Form, die eine Oktave tiefer stimmt) und Gitarre. Daneben finden wir aber auch noch das "Zupforchester", das die gleiche Instrumentenzusammensetzung aufweist, aber chorisch besetzt ist.
  


Eine Mandoline, von Hans Kreuzer, 
St. Leonhard/Leutkirch, gespielt, mit den Bändern der Jugendbewegung

Besonders in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts traf man in Stadt und Land viele dieser Mandolinenvereinigungen an. Nach 1950 bemühte sich der Bund Deutscher Zupfmusiker, der barocken Spielart der Mandoline (wenig Tremolo) wieder Geltung zu verschaffen. Ferner wurde mit Erfolg versucht - hier sei im besonderen Siegfried Behrend genannt - zeitgenössische Komponisten anzuregen, für Zupforchester eine neue in Fachkreisen anerkannte Literatur zu schaffen.

Quellen
Artmeier, Alfred - Musikinstrumente der Welt, München, 1976.

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