Spieluhren und andere mechanische Musikinstrumente

Musik nicht mit eigener Hand zu erzeugen, war schon eine uralte Vorstellung, die im Laufe der Geschichte in verschiedenen Erfindungen in die Wirklichkeit umgesetzt wurde. Schon 1000 v. Chr. erklang ein erstes selbstspielendes Instrument, die Äolsharfe, bei der der Wind Saiten in Schwingungen versetzte.
In China und Vorderasien wurden Singvogelautomaten hergestellt und in Griechenland konstruierte der Mathematiker Apollonius einen ersten mechanischen Flötenspieler. Im 13. Jahrhundert brachten die Holländer die ersten Glockenspiele aus China nach Europa, bis dann 1352-1354 im Straßburger Münster das älteste europäische Glockenspiel eingebaut wurde. Um 1600 fertigten Augsburger Uhrmacher und Goldschmiede schon kunstvolle Automaten und Musikspielwerke. Die Komponisten Bach, Händel, Haydn, Mozart und Beethoven schrieben spezielle Werke für mechanische Musikinstrumente. 1768 wurden im Schwarzwald die ersten Glockenspieluhren. 

Im Jahre 1796 kam der Genfer Uhrmachermeister Antoine Favre auf die Idee, sich die Eigenschaften der Stimmgabel und eines Federblattes zunutze zu machen, um Töne zu erzeugen. Dieses Prinzip der schwingenden Metallplättchen hatte die Entwicklung der Spieldosen zur Folge.

    
Eine Spieldose, bei der eine Blechplatte über eine Mechanik die Stahlplättchen anreißt (um 1900, Slg. Benz)

  
Orchestrion im Wangener Museum

Eine Walze oder eine Rolle, in der Stifte stecken, bringt beim Drehen kleine Stahlzungen oder Stahlplättchen zum Schwingen; die Töne, die dabei entstehen, bilden die Melodie. Die Stahlzungen waren auf die Tonleiter abgestimmt und wie eine Klaviatur angeordnet. Daher der Ausdruck Kamm. Dieser neue Mechanismus wurde zuerst in Uhren, Schnupftabakdosen, Stockknäufen und Schmuckstücken eingebaut.  Es dauerte mehrere Jahre, bis die eigentliche Musikdose gebaut wurde. 

Die ersten Orchestrien, das sind größere Zusammenstellungen verschiedener mechanischer Instrumente, wurden schon in der Zeit von etwa 1725 - 1800 gebaut. 1886 erfand Paul Lochmann die Lochplatte, über die Pfeifen angeblasen werden konnte, welche die Entwicklung der Drehorgeln ermöglichte.  1889 erhielt die Firma Welte aus Freiburg das Patent für die Abspielung durchlochter Notenblätter. 

Gegen die Konkurrenz von Phonograph und Grammophon konnten sich diese mechanischen Musik-Maschinen schließlich doch nicht mehr behaupten, bis dann 1930 die letzten Hersteller ihre Produktion einstellten.

Eine besondere Sammlung mechanischer Musikinstrumente ist im Wangener Heimatmuseum in der Eselmühle zu besichtigen.

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