Personen und Orte 

Von 1000-1048 wirkte in St. Gallen der aus Franken stammende Abt Berno, der mit seinen Musikabhandlungen das mittelalterliche Musikdenken mit beeinflusste und auch als Verfasser eines Tonars bekannt ist, einer Aufzeichnung gregorianischer Gesänge. Noch schöpferischer war der Altshausener Grafensohn Hermann (1013-1054). Zwar körperlich durch eine Lähmung stark beeinträchtigt, ging er als  Hermannus Contractus oder Hermann, der Lahme in die Geistes- und Musikgeschichte ein. Als Mönch im Kloster Reichenau schrieb er Arbeiten  zur Geschichte,  Mathematik und über das Astrolabium, ein Gerät zur Zeit- und Streckenmessung. Der Text des ihm zugeschriebene Salve Regina gilt bis heute als eine der innigsten Verdichtungen einer tiefen Mariengläubigkeit.

Im 13. Jahrhundert gehörte der Schenk Ulrich von Schmalegg-Winterstetten zu den lebensfreudigen Minnesängern,  die von Burg zu Burg zogen und von Freud und Leid der Liebe in eigener Dichtung und Melodie sangen. Ihnen wird auch Hugo von Montfort (1357-1423) aus Bregenz zugerechnet mit seinem Hausmusikus Bürk Mangolt.

Ravensburg ist der Geburtsort 1475 von Hans Buchner, der als "Meister von Konstanz" (gest. 1538) berühmt wurde. Er beherrschte neben dem Orgelspiel das der Flöte, Leier, Zither und anderer Instrumente. Neben seinen Liedkompositionen wurde er durch seine Dichtung bekannt. Spätere musikalische Söhne Ravensburgs waren Karl Erb und Hugo Herrmann.

Reich entfaltete sich das musikalische Leben in den Klöstern. Ein Schüler und Hausgenosse von Orlando di Lasso in den Jahren 1573-1574, Jakob Reiner aus Altdorf bei Weingarten, als Stipendiat nach München gelangt, wirkte musikalisch im Kloster Weingarten bis zu seinem Tode 1616.  Er beherrschte die sechs- bis achtstimmigen Chorsätze der Motetten, aber auch meisterlich die dreistimmigen Bußpsalmen. Ebenfalls aus Altdorf war Pater Felician Suevus (=Schwabe), der 1639 dem Konvent zu Weingarten angehörte und 17 Jahre später in ein Konstanzer Kloster wechselte. 14 Notendrucke mit geistlicher Musik, Motetten, 16 Messen und 22 geistliche Konzerte sind überliefert. Seine konzertante Kirchenmusik kündet schon die kommende Gegenreformation an. Dazwischen steht der Weingartner Organist und Komponist Michael Kraf (1590-1632), ein Franke, der in den Wirren des 30jährigen Krieges bis zum Bürgermeister von Weingarten aufstieg. 1613 erwarb das Kloster eine besondere Liederhandschrift mit den italienischen Lieblingsgedichten der letzten Staufer. Im benachbarten Kloster Weissenau musizierte vor allem an der Orgel und komponierte Christian Keifferer (175-1636), von dem  vier Notendrucke bekannt sind, dabei eine Hymnen-Sammlung aus dem Jahre 1613 mit einem Magnificat. Er starb mit vielen seiner Mitbrüder an der Pest im 30jährigen Krieg. Johannes Werlin (Werlinus), geboren in Oettingen im Ries, gest. um 1680, wirkte von etwa 1640 bis um 1680 als Lehrer und »Director chori musici« an der Lateinschule in Lindau am Bodensee. Während seiner Amtstätigkeit hat er in der dortigen Stephanskirche angeblich 1260 handschriftliche Werke aufgeführt

Mit der Musikgeschichte Weingartens verbunden ist aber auch der Name Josef Gabler (1700-1771) als Erbauer der berühmten Orgel in der Klosterkiche mit ihren bis zu zwölffachen Mixturen. Gablers Meisterschüler Josef Höss schuf 1777-1780 die beiden Orgeln der Biberacher Stadtkirche. Benedikt Biechteler (geb.1689 in Obergünzburg,  gest. 1759 in Wiblingen) komponierte 6 Orchestermessen unter Verwendung von Jagdhörnern, daneben Solokantaten über Mariengesänge. Weingarten war auch ein wichtiger Zeitabschnitt im Leben von Meingosus Gaelle, geb. 1752 in Buch bei Tettnang, gest. 1816 in Maria Plain bei Salzburg. Seine Liedersammlung, aber noch mehr sein schwäbisches Singspiel "Erschaffung des Adams und der Eva" sind besondere Beispiele des Musikschaffens der damaligen Zeit. Von Aemilian Kayser (1749-1831) ist aus dem Kloster Weingarten ein Magnificat erhalten

Aus der Karthause Buxheim bei Memmingen stammt ein wertvoller Orgelkodex, das Buxheimer Liederbuch, des ausgehenden 15. Jahrhunderts mit geistlichen wie weltlichen Liedern und Orgelsätzen, die in der Musikforschung einen außerordentlich hohen Rang besitzen, stehen sie doch in engem Zusammenhang zum berühmten Lochamer Liederbuch. Neben Stücken ausländischer Komponisten sind die deutschen Lieder von höchster Bedeutung für die Geschichte des deutschen Liedes.  

Aus Augsburg kam Thomas Eisenhuet (1644-1702), der von 1774 an in der Kemptener Fürstabtei Stiftskapellmeister  war. Seine deutsch und lateinisch verfasste Musiklehre und seine Kirchenmusik sind ebenfalls wichtige Bausteine in der Musikforschung. Franz Xaver Richter war dort von 1740-1747 Kapellmitglied, bevor er nach Mannheim aufstieg. 1885 wurde in Kempten Theodor Huber-Andernach geboren, 1890 nach München übersiedelt, der später Bundeschormeister des Bayrischen Sängerbundes wurde. 

1627 war das Geburtsjahr des Dr. Jakob Baudrexel aus Füssen.  Er kam als Domkanoniker über Augsburg nach Kaufbeuren, wurde Abt vom Kloster Irsee, bevor er 1679 Mainzer Hofkapellmeister wurde (gest. 1691). Im Kloster Irsee komponierte Abt  Meinrad Spieß (1683 geb. in Honsolgen bei Buchloe - gest. 1761 in Irsee) Triosonaten und geistliche Solokantaten und schrieb ein Buch zur Kontrapunktlehre, den "Tractatus Musicus". 

Füssen war seit Ausgang des hochgotischen Zeitalters ein europäischer Mittelpunkt des Lauten- und Geigenbaus. Führend war dabei die aus Rosshaupten stammende Familie Tieffenbrucker, vor allem Magnus und Kaspar, die in Venedig und Lyon (um 1557) den Instrumentenbau weiter entwickelten. Sie stehen in engem Zusammenhang mit der Entwicklung der Königin der Instrumente, der Violine. Klangvolle Namen des Lauten- und Violinbaues waren weiter: Fronhoffer, Greiff, Purkholz, Epp, Langewalder, Kögl, Fichtholdt u.a. 

Als Dichterfürst des süddeutschen Barock galt der Kapuziner Laurentius von Schnüfis (1633-1702) aus Vorarlberg, der sich von Pater Romanus Vötter vom Konvent der Kreuzherren von Memmingen zunächst seine geistlichen Ermahnungen vertonen ließ, später aber den geistlichen und weltlichen Texten eigene, schlichte Melodien, dabei viele Tanzmelodien, beifügte.

Nahe der Abtei Ottobeuren, in Eldern, wurde 1710 Karl Joseph Riepp geboren. Er wurde zu einem der bedeutendsten Orgelbaumeister Schwabens und starb 1775 als hoch angesehener Bürger in Dijon. Sein Schüler war Johann Nepomuk Holzhay (geb.1741 in Rappen, Pfarrei Unteregg, Landkreis Mindelheim - gest. 1809 in Ottobeuren). Mit Josef Gabler sind hier die drei wichtigsten Orgelbauer genannt. Die Säkularisation (1803) hatte dann fast den ganzen oberschwäbischen Orgelbau lahmgelegt. Johann Nepomuk Holzhay selbst überlebte diese Katastrophe um sechs Jahre und wurde in diesen letzten Lebensjahren vom Orgelbauer zum Reparaturtischler. 

Der aus Wangen stammende Abt Rupert Neß war in Ottobeuren (von 1710-1740) ein eifriger Förderer der Kirchenmusik. In Wangen wurde auch Honorat Reich (1677-1750) geboren, von dem verschiedene Werke in Ottobeuren dokumentiert sind. Von Joseph Christadler aus Wurzach (1687-1730) sind in Ottobeuren 3 Werke erhalten.  Raphael Weiß (1713-1779) wurde ebenfalls in Wangen geboren. Seine Mutter war die Schwester von Rupert Ness, dem berühmten Abt des Klosters Ottobeuren. Diese Verbindung zur Familie des Rupert Ness dürfte auch der Grund gewesen sein, dass Raphael Weiß seinem Onkel ins Kloster Ottobeuren nachfolgte. Er  wirkte dort als Musiker und Komponist. Ottobeuren erhielt weiter einen besonderen Schwerpunkt durch die 15 Theaterkompositionen mit "Judicium Salomonis" des Paters Franz Xaver Schnizer (1740-1785), der als gebürtiger Wurzacher auch Kirchenwerke und sechs Cembalokompositionen hinterließ. Pater Benedikt schuf 1791 die Musik zu  "Davids Sieg über Goliath", Theodor Clarer vertonte das "Opfer Noahs". 

Franz Xaver Bucher (1760-1828) wurde in Violau bei Zusmarshausen (Bayrisch-Schwaben) geboren. 1784 zog F. X. Bucher, Vetter  von Sixt  Bachmann (s.u.), nach Wangen und erhielt dort die Stelle des Lateinschulmeisters und wurde erfolgreicher Musikdirektor und Organist an der St.-Martins-Kirche. 

Johann Nepomuk Gaumer (1727-1793) stammt aus Reinstetten bei Ochsenhausen. Er ist der einzige bekannte Komponist des Klosters in Isny.

In Ratzenried lebte einige Zeit auch ein komponierender Pfarrer, Johann Baptist Bommas (1816-1893). Er stammte aus Gmünd und war zwischen 1846 und 1850 in Rötenbach und zwischen 1850 und 1862 in Ratzenried Pfarrer (gest. 1893 in Gmünd). Franz Balluff kam 1873 auf die Welt als Sohn des Ratzenrieder Lehrers Fridolin Balluff und ist sicherlich über seinen Vater in die Kirchenmusik hineingewachsen. Seit 1915 lebte er in Rottweil als Organist und Komponist. Um 1930 gehörte er zu den führenden Kirchenkomponisten Württembergs.

Das Kloster Rot an der Rot wurde musikalisch bekannt durch Pater Nikolaus Betscher (geb. 1745 in Berkheim, gest. 1811) mit verschiedenen Messen, ein Te Deum, Magnificat, ein deutsches Salve Regina (insgesamt 175 Werke). 

Ton: "Jedem gefällt das Seine", N. Betscher, Sängergau Ulm, 1993

Nicht weit davon im Kloster Ochsenhausen schuf Aemilian Rosengart (1757-1810) seine kirchenmusikalischen Werke. In der Benediktinerabtei Zwiefalten sind Werke von Ernest Weinrauch (geb. 1730 in Donauwörth, gest. 1793 in Zweifalten) erhalten. 

Bekannt wurde die Ostracher Liederhandschrift (um 1750), die dem Geiste eines Sebastian Sailer (1714-1777) aus dem Prämonstratenserkloster Marchtal an der Donau nahe steht. Sailer machte mit seiner "Schöpfung" von sich reden und war als Sänger und Selbstbegleiter mit der Geige wohl auch Vorbild für den aus Saulgau stammenden Pfarr-Sänger Michael Jung (1781-1855). Dieser wurde später vom König von Württemberg zum "Ritter von" geadelt und wurde als Pfarrer von Kirchberg (Iller) in ganz Oberschwaben durch seine Liedernachrufe berühmt,  die er zur Geige mit seinem frischen Tenor bei Begräbnissen sang. Bei der Kirchenobrigkeit verursachte er damit erhebliches Missfallen. Er ließ 200 solcher Moritaten als "Melpomene" drucken, obwohl ihm dieses fröhliche Brauchtum verboten wurde. Er wurde deshalb als Hilfskaplan nach Tettnang versetzt.

Pater Isfrid Kayser, der 1743 nach Marchtal kam, war in der Rokokozeit bewunderter Meister der Tasten, kirchlich und weltlich. Seine Concors digitorium Concordia von 1746 enthält Cembalosuiten. Zur Aufführung kamen erst jetzt wieder Teile aus seinen Messen, Psalmen Offertorien (mit Streichern und Trompeten). Sixt Bachmann (geb.1754 in Kettershausen b. Illertissen, gest. 1825 in Reutlingendorf), der zwölfjährig 1766 in Biberbach mit dem zehnjährigen Mozart um die Wette georgelt hatte, wurde später ebenfalls Pater in Marchtal. 

Im Kloster Salem wirkten in dieser musikalischen hohen Zeit Ausgang des Barockzeitalters im Übergang zur Klassik die Musiker Franz X. Schlecht (um 1730-1782),  Andreas Heichlinger (1746-1809) und Jakob Sommer (geb. 1746 in Ottobeuren, gest. 1796).

Der in Biberach geborene Heinrich Justinus Knecht (1752-1817) galt neben seiner musikalischen Tätigkeit auch als besonderer Meister der Orgel. Seine Amtsnachfolger Kick, Braun, Kaim, Löhle, Buttschardt und Mayer-Zanetti waren weiter würdige Vertreter einer hohen musikalischen Kultur in Biberach. Die Memminger standen ihnen allerdings kaum nach mit dem Gastwirt und Komponisten Christoph Rheineck (1748-1797).

Einer Allgäuer Familie entstammt der heute kaum mehr bekannte Gottfried Rüdinger, geb. 1886 in Lindau, gest. 1946 in Gauting b. München. Er besuchte später das Gymnasium in Neuburg a.D. und widmete sich dann dem Studium der Theologie. Erst 1907 wandte er sich ganz der Musik zu und wurde für zwei Jahre Schüler Max Regers in Leipzig. Er bezog sich stark auf das Bajuwarische, z.B. in seiner Spieloper "Die Tegernseer im Himmel". Doch mischte er auch "schwäbische" Musik zwischen die Bearbeitungen älplerischer Volkslieder. 

Der Historiker J. Rottenkolber berichtet1: "Ein berühmter Sänger war Alois Dobler, Sohn des Schullehrers Dobler, von Gebrazhofen (1796-1841). Die ersten Proben seines Talents gab er als Chorschüler des Domstiftes zu Konstanz. Er war eigentlich zum Geistlichen bestimmt, vertauschte dann aber das Gotteshaus mit dem Schauspielhaus." Als Buffobassist wurde er am Stuttgarter  Hoftheater gefeiert. Von den Mundings aus Gebrazhofen weiß man allerdings etwas mehr. Sie vertreten einen Musikerstand, der kaum in den großen Werken der Musikwissenschaft erwähnt wird. Mayer schreibt von einen weiteren Gebrazhofener, dem Musikdirektor Karl Staudacher (geb. 1850). "Ihm hatten die Musen die frohe Natur der Eltern, die Lust zum Fabulieren,... und eine spezielles Talent der schönen Künste für Musik und Pinsel in die Wiege gelegt." - "Nach dem Studium des Lehrerberufs war er als "ein fahrender 'Scholar' und 'wandernder Sänger' ... bekannt und beliebt geworden." Er bildete sich gesanglich musikalisch weiter in Frankfurt und bei Rheinberger in München und errang als Leiter des Liederkranzes Gebrazhofen mit diesem höchste Preise bei Wettbewerben. 

Aus Seibranz ist Georg Markus Kellermann (1869-1928) als Dirigent und Komponist bekann, der für seine Kapelle regionalgebundene Stücke schuf.

Wilhelm Widmann von Missen (1858-1939)  galt als Musiker von höherem Range. Er stammt aus einer Lehrerfamilie, wo Musik schon Tradition war und bekam schon frühester Jugend dadurch viele Anregungen zu seinem späteren Beruf. Als Theologiestudent lernte er die klassisch-kirchliche Vokalmusik des 16. Jahrhunderts kennen. 40 Jahre lang war er schließlich Domkapellmeister in Eichstätt, wo er den Domchor auf eine erstaunliche Höhe brachte, so dass dieser lange Zeit als Beispiel für den gregorianischen Choral galt.1

Georg Schneider (geb. 1878 in Engerazhofen - gest. 1958 in Leutkirch), erwarb sich mit seinen Kirchenkompositionen vom Bischof in Rottenburg den Titel eines Kirchenmusikdirektors. Aber auch weltliche Musikkompositionen und Chorbearbeitungen sind bekannt. 

Zugereist ins Oberland kam 1953 Hans Felix Husadel (1897-1964) aus Berlin nach Ravensburg, der als Reformator der Militär-Blasmusik gilt. Dort wirkte er weiter als Dirigent und Musikverleger bis zu seinem tragischen Tod 1964 bei einem Konzert. Er besaß als Professor an der Musikhochschule in Berlin und berühmter Dirigent bereits einen weit bekannten Namen. "Walter Schneider - Argenbühl" (1924-2000) hatte den Namen seiner  Wahlheimat in der Gemeinde Argenbühl (in Eisenharz/Bienzen) in seinen Namen als Dirigent und Komponist aufgenommen, mit dem seine Blasmusikstücke heute in internationalen Konzertprogrammen anzutreffen sind.

Einen international bekannten Namen als Dirigent besitzt  Roland Bader, geb. 1938 in Wangen, musikalisch eng verbunden mit der polnischen Stadt Krakau und mit Tokio, der aber viele weitere Orchester fast aus der ganzen Welt mit seinem Dirigentenstab schon führen konnte.

Im Zusammenhang mit dem Schwäbisch-Bayerischen Sängerbund (seit 1862) und dem Allgäu-Schwäbischen Musikbund (seit 1925) stehen Musikerpersönlichkeiten wie Karl Kammerlander, Wilhelm Gößler, Max Welcker im Chorbereich oder Max Hempel und Hermann Kuen im Blasmusikbereich. Sie trugen wesentlich zur Entwicklung eines regionaltypischen Repertoires für Laienmusikensembles bei. 

Die Volksmusikpflege im 20. Jahrhundert ging im Wesentlichen von Österreich und Oberbayern aus und ist mit den Namen Josef Pommer, der "Volkslied-Pommer" (aus Wien), und seinem Sohn Helmuth Pommer (1883-1967) verbunden, der in Vorarlberg von Bregenz aus nach Volksliedern forschte. Über Kiem Pauli, Kurt Huber und Wastl Fanderl in Oberbayern kamen die Impulse auch ins Allgäu und nach Schwaben, wo sich Max Probst aus Oberstaufen, Karl Hafner aus Hindelang, auch Karl König in Jettingen, oft nach Texten von Hyazinth Wäckerle oder Wilhelm Wöhrle das schwäbische Mundartlied mit Neukompositionen bereicherten. Dazu gehören Michael Bredl (1916-1999) aus Hindelang, auch Manfred Beulecke  aus Marktoberdorf und Jutta Kerber mit ihrer Familienmusik aus Hinterreute/Oberstaufen, die sich um besonders verdient machten mit der Suche nach traditioneller Musik im Allgäu und die mit ihren Bearbeitungen und neuen Stücken und Liedern, auch als musizierende Beispiele, vielen Gruppen  wichtige Anregungen zum alpenländischen Singen und Musizieren gaben. Max Schraudolph aus Oberstdorf, Fritz Finkel, Bernhard Wulf und Hartmut Brandt aus Sonthofen schufen ebenfalls neue Stücke für den Volksmusikbereich. Zu nennen ist auch Martin Kern, Gitarrist und Musiklehrer aus Buchenberg, der  tradierte Musik bearbeitet und sie wieder zu Gehör bringt.

Berthold Büchele (geb. 194?) aus Ratzenried forscht, publiziert und bringt nicht nur vergessene Kirchenmusik wieder zum Erklingen, sondern widmet sich neben der Erforschung der Volksmusik besonders der Geschichte der Heimat und ihrer weiteren Kultur. Seine dreibändige Publikation "Ratzenried - Eine Allgäuer Heimatgeschichte" (1986) enthält wichtige Darstellungen zur regionalen Musikgeschichte. Berthold Büchele versucht als Lehrer dazu, regionales Musiziergut in die Schulmusik mit einzubringen.

Mehr als feinsinniger Musik- und Kunstkritiker ist  Fritz Hartmann (geb. 1926) aus Isny bekannt. Doch auch seine weltlichen und  kirchlichen Kompositionen, die zwischen   "Mozart und Donaueschingen" stehen, wie ein Laudator einmal urteilte, haben einen besonderen Stellenwert.

Mit dem Namen Alois Lohmiller aus Aichstetten (*1934) verbinden sich Kirchenmusik und weltliche Kompositionen, die vielfach aber aus schwäbischem Volksmusik- und Liedbereich schöpfen. Als Chorleiter bearbeitete tradierte Lieder für seinen gemischten Chor und schrieb zu schwäbischen Gedichten auch neue Melodien und Liedsätze.

Viele Wangener Gymnasiasten erinnern sich  an ihren Musiklehrer Klaus Reiners (*1934), der zur Abiturientenfeier Jahre lang musikalisch großartige Beiträge verschiedenster Art gestaltete. Aber der Name ist mit dem alpenländischen adventlichen Musizieren in St. Martin ebenso verbunden, wo er mit seinen Gesangsgruppen mitwirkte. Verschiedenste Chorsätze komponierte er nicht nur zu diesen Anlässen.  Dazu genießt er als Leiter der Birnauer Kantorei - seit 36 Jahren - hohes internationales Ansehen.

Ivan Shekov (* 1942 in Sofia) lebt seit 1980 in Deutschland und unterrichtet seit 1983 Klavier an der Städtischen Musikschule in Tettnang. Als Konzertpianist erhielt er schon die Goldmedaille des "Busoni"-Klavierwettbewerbs in Italien, während er als Komponist bei Wettbewerben in Berlin (1992) und Lugano (1994) ausgezeichnet wurde.

Wenn nun ein Maler und Grafiker aus Lindenberg hier angeführt wird, dann kann das nur Werner Specht (*1942) sein, der mit seinen vorder- und hintersinnigen Liedern aus unserer Landschaft nicht mehr wegzudenken ist und weit darüber hinaus als Liedermacher meist dialektgebundene, eigene Texte vorträgt. Bild und Lied zum Westallgäu gehören bei ihm eng zusammen.

Aus dem Musikhaus Epple in Opfenbach stammt Roger Epple, der seit 1996 Generalmusikdirektor am Opernhaus in Halle ist. Sein Schwerpunkt liegt bei der Interpretation neuer Musik, daneben umfasst sein Repertoire etwa 30-40 Opern vom 18. bis 20. Jahrhundert. Er ist viel gesuchter Gast bei den verschiedensten großen Orchestern des In- und Auslandes.

 Quellen
1 Rottenkolber, Josef: Geschichte des Allgäus, München 1951 - Mayer, Herbert: Manuskript - Weitere Komponisten geistlicher Werke bei Büchele, Berthold (Manuskript 1996)

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