Michael Kraf (um 1590-1662)

Aus Franken stammend (geb. um 1590 in Neustadt/Franken), wurde Kraf vermutlich im Jesuitenkolleg zu Fulda ausgebildet. Am 4. April 1616 wurde Kraf als Componista et Organista in der Abtei Weingarten verpflichtet. Die reiche Abtei besaß zwischen 1600 und 1630 eine blühende Musikpflege; u.a. war als Musiklehrer am Klostergymnasium Conrad Hänlin aus Tübingen tätig, ein Bruder des Musikverlegers G. Hänlin, bei dem Krafs erster Druck erschien. Hauptamtlicher Organist war Andreas Bendel; Kraf oblag nur die Betreuung der Figuralmusik. Die Ausstattung der Gottesdienste mit mehrstimmiger Musik war noch in den Kriegsjahren 1618-1631 ungewöhnlich reich. Gelegentlich sind bestimmte Werke genannt, so Allerheiligenlitaneien von Haßler und G. Cavaccio. Besondere Anlässe wie Empfänge wurden durch über eine Stunde dauernde Konzertvorführungen von Motetten oder Instrumentalwerken oder durch eine Schuldramenaufführung betont. Zwischen 1632 und 1637 brachte der Krieg die Klostermusik zum Erliegen.

Kraf erwies sich auch anderweitig verwendbar: am 18. April 1632 wurde er beauftragt, in Memmingen mit dem schwedischen Kommandeur über die Schonung des Klosters zu verhandeln. Mit Annahme der Ammannsstelle im reichsunmittelbaren Altdorf-Weingarten am 29. Juni 1633 wich er ganz in die Verwaltung aus. Seit 1639 stand er als Landwaibel, Einnehmer im Dienst der Landvogtei Schwaben, von deren Inhaber Erzherzog Leopold er schon 1628 anlässlich einer Kompositions-Widmung mit einem kleinen Gut belehnt wurde. Die Beziehung zu Weingarten hat Kraf nicht aufgegeben; in einem Vertrag vom 30. April 1652, worin er als Lehensinhaber des Hofgutes Lubach im Allgäu erscheint, sagte ihm der Abt u.a. für alle Reisen ein Pferd sowie lebenslänglichen Mittagstisch an der Klostertafel zu. Von Innsbruck aus wurde die Doppelstellung gelegentlich beanstandet; trotzdem behielt Kraf die österreichischen Lehen bei und brachte noch 1652 ein Messenwerk in der Tiroler Hauptstadt zum Druck, übrigens ein Zeichen, dass er die Musik doch nicht ganz beiseite gelegt hatte. Er starb 15. März 1662 in Altdorf-Weingarten.

Krafs umfangreiches Gesamtwerk spiegelt den praktischen Bedarf der Weingartner Abtei an Kirchenmusik. Die Messen, Magnificat und Litaneien waren zwar allgemein verwendbar, die vier Motetten-Sammlungen sind dagegen auf Klosterverhältnisse abgestimmt. Messen und Magnificat folgen dem Zeitbrauch durch Vielstimmigkeit und Verwendung fremder Vorlagen (20 lateinische Motetten, 6 französische Chansons und 1 italienisches Madrigal, zum größten Teil noch nicht identifiziert) als Parodiemodelle. Die vier Motetten mit anspruchsvollem Satz und geschickter Formung nehmen einen guten Rang in der italienisch beeinflussten süddeutschen Kirchenmusik des Frühbarock ein.

(nach MGG Bd. 07, S. 1677 ff, Bärenreiter,1986)

| Musik im Allgäu - Startseite | zum Museum | © W. Benz |