Die Mundings aus Gebrazhofen

In den Musiklexika fehlt der Name, aber noch in Erinnerung und in regionalen Quellen erhalten ist der Familienname Munding, mit dem sich verschiedene Persönlichkeiten im 19. Jahrhundert weit herum nicht nur in der Gegend von Leutkirch als Spielleute, Musiklehrer, Trompeter, "Ranzengeiger", Krämer und Unterhalter bei Taufen, Hochzeiten, Kirchweihen, Märkten und Fahnenweihen profilierten. "Ranzengeiger" deshalb, weil das wichtigste Instrument im Proviantranzen steckte, wenn sie von Hof zu Hof zogen, um sich mit den genannten vielseitigen Möglichkeiten ihr Brot zu verdienen. 

Der große Durst gehörte auch dazu, weshalb sich auch viele "Gschichtle" um ihr Verhältnis zum Bier und den Wirtschaften ranken. Sie waren sicher nicht die Einzigen, die sich auf diese Weise durchs Leben bringen wollten, denn der Wangener Stadtschultheiß versuchte diese "Schnurranten, Gaukler und Taschenspieler", durch Verbote von den Jahrmärkten fernzuhalten. Auch in der bayrischen Nachbarschaft konnten solche umherziehenden Musiker und Alleinunterhalter sich nicht frei bewegen. Denn dort wurde erst mit der Erteilung eines Patentes "württembergische Musikanten, Schaukastenträger und Taschenspieler" zugelassen, wenn  sie nachweisen konnten, dass sie zu der Klasse von Künstlern gehörten, die gegen Eintritt in geschlossenen Lokalen auftraten.

Die Mundings scheinen sich wenig um diese Verbote gekümmert haben. Sie traten weiterhin fast ungehindert in den verschiedensten Orten auf, waren volksnah und besaßen Zivilcourage, so dass einer von ihnen in der Revolutionszeit von 1848 mit einer mehrjährigen Freiheitsstrafe büßen musste wegen seines losen Mundwerks gegen die Obrigkeit. Von einem wird an anderer Stelle berichtet, dass er den Walterhofener Kirchenchor mit seiner Figuralmusik aufs Korn genommen  und sich dadurch eine Klage eingehandelt hatte.
  
Peter Paul, 1802 im Unteren Hundhof in Gebrazhofen geboren, war wohl der bekannteste Vertreter seiner Sippe. Er wird sogar bei der Gründung der Musikkapelle Roggenzell 1828 genannt. Seine Hochzeitsanzeige 1850 in der Zeitung verrät Originalität:

 

Dass sein Frau eine Harfenspielerin war, geht aus dem Gedicht hervor, wie auch seine Tanzunterhaltung oft bis in die Morgenstunden. Er muss aber nicht immer allein gespielt haben, denn im selben Jahr seiner Hochzeit wird in der Zeitung zu einer Musik von "Munding und seiner Compagnie" eingeladen. An anderer Stelle wird von seiner "Kunstproduction" geschrieben.

 

Ebenfalls Musiker war Romuald Bruno (1811-1863), der Bruder von Peter Paul. Als Trompeter der "königlichen Artillerie in Ludwigsburg" gab er mit "komischen Einlagen" in Leutkirch einen Unterhaltungsabend. Als Mitglieder des Stadtheaters Straßburg veranstalteten 1878  Josef - eigentlich gelernter Maurer - und Theresia Munding ein Volksliederkonzert in Gebrazhofen und setzten ihre Tournee in Zeil und Niederhofen fort. Ein Josef Anton Munding wird als Musiker am Orchester des Hoftheaters in Leipzig genannt.  

Quellen
Mayer, Herbert: Die Mundings.Ranzengeiger, Schnurranten, Spielleute, Leutkirch 1986
1 Knill, Dietmar

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