Korallen in Warm-  und Kaltzeiten - aus der Klimageschichte unserer Erde
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Aplosmilia suevica GEYER 1954,
Ob. Jura, Gerstetten, 
Kelchbreite rd 8mm,
Slg. Galajda 

 
Isastrea sp., Kreide,
Untersberg

  


 li:. Trochocyathus haunsbergensis
(TRAUB 1938), Eozän,

 re.: sp. indet., Länge rd. 3 cm
Haunsberg/St. Pankratz 

 
 
 

 
Flabellum sp., Pliozän,
Dar-bel-Hamri/Marokko

 

   
 Und die Zukunft?
Wie ist das nun mit der drohenden Klimakatastrophe, die dem Menschen als Folgen seiner Umweltschädigung angelastet wird? Zunächst sind menschliche, zerstörende Einwirkungen auf das größte Bauwerk der Erdgeschichte, das Große Barriere-Riff an der Nordostküste Australiens nicht wegzuleugnen. Wir erleben, dass schon geringe äußere Einwirkungen wie die Verschmutzung des Meerwassers durch Industrie und Zivilisation dieses 2000 km lange "Bio-Werk", das unter Mitwirkung von Korallen entstanden ist, einschneidend zerstören können. Auch die Abholzung der Tropenwälder hat einen verstärkten Boden- eintrag in die Flüsse und damit in die Meere zur Folge. Weite Teile der mündungsnahen Korallenriffe werden davon schon betroffen. Die Einwirkungen durch den Tauchtourismus in den tropischen Korallenriffen sind ebenfalls nicht wegzudiskutieren. Wie labil ein solches komplexes Ökosystem ist, beweisen ebenfalls die Masseninvasionen der räuberischen Dornen- kronen-Seesterne, die eine weitere Bedrohung der Korallen
bilden. Die Korallen vor der Inselgruppe Florida Keys sterben zur Zeit an einer Bakterieninfektion. 

Eine zu rasche Zunahme der Wassertemperatur verkraften die Korallen ebenfalls nicht, allerdings auch keinen Kälteschock. Sie "bleichen aus", d.h. die lebenden Teile sterben ab, wenn sie extremen Temperaturen ausgesetzt waren. Stürme schädigen weiter. In welchem Umfang der Mensch sie zu verantworten hat mit seinen Eingriffen in den Klimahaushalt der Erde, ist schwer auszumachen. Eine Abnahme der Korallenriffe würde aber auf jeden Fall, ebenso wie das Abholzen der Wälder, die biolo- gische "Absauganlage" von CO2 einschränken. Nach dem derzeitigen Stand (Juni 1998) beträgt die Klimaerwärmung -0,1° C bis +0,6° C in den letzten 100 Jahren - die Ergebnisse der Wissenschaftler liegen auseinander - und sie würde bis zum Jahr
2100 um weitere 1,2°C steigen. Eine CO2-Mitwirkung kann nicht ganz ausgeschlossen werden. Die Katastrophenmeldung, die Korallen würden einen Meeresspiegelanstieg von rd. 90 cm in 100 Jahren nicht "verkraften", ist aber nicht stichhaltig, haben sie sich doch seit 10 000 Jahren einem Meeresspiegelanstieg von 100 m sehr wohl angepasst. Ob damit überhaupt zu rechnen sein wird, bleibt noch eine offene Frage.

Denn die Vernetzungen in der Klimafrage sind außerordentlich komplex. Hier spielen die Einflüsse der ellipsoiden Erdbahn um die Sonne, die Präzession der Erdachse und die Sonnen- fleckentätigkeit ebenfalls eine wichtige Rolle. Das Auf und Ab der Temperaturen in den letzten Jahrhunderttausenden kann damit nur einigermaßen "erklärt" werden. Zur Zeit ist die Prognose einer Abkühlung in den nächsten 100 Jahren in
heftiger Auseinandersetzung mit der älteren O2-Treibhaus- Hypothese. Neueste Forschungsergebnisse dänischer Wissenschaftler belegen, dass die starke Aktivität des Sonnenwindes die kosmische Strahlung abhält, die wie in einer Nebelkammer die Wolkenbildung in der Atmosphäre verstärkt und die Erde damit abkühlen läßt. Die "Kleine Eiszeit" vom 16. bis Anfang des 17. Jahrhunderts fällt mit einem Sonnenflecken- minimum zusammen. Der Rückgang der Temperaturen von etwa 1945 bis 1965 steht ebenfalls in einem hohen Zusammenhang mit einer verstärkten Sonnenaktivität. 

Nach einigen Klimamodellen ist mit einer Kaltzeit erst in etwa  60 000 Jahren zu rechnen, verbunden mit einer Zwischen- abkühlung in etwa 25 000 Jahren. Die moderne Chaosforschung jedoch lehrt, dass kleine Ursachen in unserer Welt oft größte Wirkungen haben können. Das beweisen einzelne vulkanische Aktivitäten und auch "El Nino" mit ihren Auswirkungen auf unser Klima. Das Risiko der menschlichen Einwirkungen auf die Korallen und unser Klima ist damit auch kaum genau berechenbar. Auf unserer Erde bleibt uns nur die einzige
Möglichkeit eines behutsamen Umgangs mit ihr. 

Eines dürfte ziemlich sicher sein: Unsere Sonne wird in weiter Zukunft durch ihre nuklearen Prozesse immer heißer werden und sich weiter zu einem Roten Riesen aufblähen. Sie wird in etwa vier bis fünf Milliarden Jahren die Erde in sich aufnehmen, bevor sie als "Weißer" oder "Schwarzer Zwerg" in sich zusammen- brechen und bei einer Weltraumtemperatur von -270 °C ihren Weg im All nehmen wird. 


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