|
Regionales
im Allgäu-Schwäbischen Musikarchiv
Personen
Bei meiner
Schellacksuche konnte ich noch weiteren interessanten Komponisten und
Musikern auf die Spur kommen. So übergab Ursula
Husadel aus Vogt 2002 den Nachlass ihres Schwiegervaters
ins Archiv, nämlich den von Professor Hans Felix
Husadel. 49 Tonbeispieledie sind von und mit ihm im Archiv verzeichnet, davon
48 auf Schellack, allerdings nur 2 davon sind Eigenkompositionen, die
anderen Titel dirigierte er. 16 Märsche waren auf unverkäuflichen
Musterplatten von Telefunken dabei. Husadel war zwar kein Schwabe, hat
aber doch wesentlich auch hier das Musikleben der Region mitgeprägt. Vom
Isnyer Komponisten und Kapellmeister Erwin Hug
sind uns neben anderen Tonträgern drei Aluminiumplatten mit Lackschicht
einer Einmalaufnahme nach dem Verfahren Dr. Wahl erhalten. In Ravensburg gab es in den 50er
Jahren den Tonspezialisten Fritz Schattel, der beim Österreichischen Rundfunk,
Landesstudio Vorarlberg, arbeitete
und eine solche Ausstattung besaß. Hier ein Beispiel mit dem Bruder
von Erwin Hug, Jakob Denzel, der heute noch in Isny lebt: ein Jodler in Rohaufnahme
und restauriert.
Weitere regional wichtige Persönlichkeiten zur Musik sind weniger mit
Schallplatten in Verbindung. Gibt
es eine besondere allgäu-schwäbische Musikkultur?
Durch die Möglichkeit, mit einem
Bestand von etwa 40 000 Notenbeispiele und Liedtexten die 3815
verzeichneten Titel von Schellacks im Archiv zu vergleichen, ergeben sich
doch gewisse Parallelen in Bezug auf eine regionale Musikkultur.
Wie der Schwabe seine eigene Musik einschätzt, kann vielleicht an der
Episode aufgezeigt werden, die sich in Wien 2002 abspielte: Ich saß am
Abend bei
einer Projekttagung neben Dr. Lotz, unserem Schellack-Fachmann, in einer Gaststätte und wir
kamen auf meine schwäbischen Platten zu sprechen. Etwas unsicher gab ich
zu, 8.- € für den "Ulmer Fischermarsch" der Nürtinger
Stadtkapelle auf Schellack im Internet bezahlt zu haben. Dr. Lotz bot mir
das Zehnfache! - Ich habe die Platte natürlich noch heute. Wie
das Beispiel zeigt - und es lässt sich nicht nur bei den Schellacks
generalisieren - das Angebot eigener, schwäbischer Musikproduktionen ist
relativ knapp. Der Schwabe hält recht wenig von der eigenen Kultur
und hört und sieht sich lieber in der Nachbarschaft um. Sogar aus der
Schweiz sind Tonbeispiele aus dem Volksmusikbereich zu finden. Tiroler
Lieder und auch die Schellacks dazu sind erstaunlicherweise im Allgäu
sehr beliebt, wozu früher sicher die Tiroler Volkssänger beigetragen
haben. Die Wiener Lieder kommen ebenfalls im Allgäu gut an. Einen großen
Raum nehmen die Volksmusikproduktionen aus München mit Titeln und
Interpreten aus dem weiteren Oberbayern ein. Die Schwaben des Allgäus
fühlen sich auch in anderen Bereichen stärker München zugeordnet als
Stuttgart, was wohl auch mit ihrem katholischen Glauben im Zusammenhang
steht, während ja das "Unterland", der Neckarraum,
protestantisch ist. Stark ist aber auch Franken mit Volksmusiktiteln
vertreten. Aus der Schlagerproduktion sind die volkstümlichen Stücke
hier vorherrschend, was sich bis in die heutige Zeit bei den Älteren
fortsetzt, gegenüber anspruchsvolleren, internationalen mit komplexer
Musik. Nur wenig ernste Musik wurde in den Bauernhäusern gehört, mehr
jedoch in bürgerlichen Familien.
| Die wenigen
schwäbischen Produktionen im Zeitalter der Schellacks betreffen
dann diesen volksmusikalischen Bereich. Eine Rarität ist sicher
zunächst die Pathé-Platte aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg. Sie
wird noch von innen nach außen abgespielt. Klanglich ist ihr leider
kaum noch etwas zu entnehmen. In Bruckmühl sind in der Sammlung von
Masel wenige andere
schwäbische Platten aus der Zeit zwischen den Weltkriegen
verzeichnet. Es überwiegen neben der Volksmusik die allgemein
bekannten Charakterstücke wie Großmütterchen (8 Nennungen)
Heinzelmännchens Wachtparade (6 x), Die Mühle im Schwarzwald
(6 x) oder andere schlichte Salonmusik. Erst in den 50er |

|
| Jahren wurde hier
traditionelle oder volkstümliche Musik auf
Schellack gepresst. Die Titel von Franz Winkler und Erwin Hug zählen dazu. Aus dem Kleinen
Walsertal bei Oberstdorf war es der Lehrer Wilhelm Fritz, der
mit eigenen volksmusikalischen Stücken und Liedern Aufnahmen wagte:
Komm mit mir ins Walsertal - Bergheimat. Walser Heimatlied
- u.a.. Sonst sind es aus dem Allgäu
zunehmend Produktionen erst seit den 60er Jahren auf neueren
Tonträgern.
Es mag aus meinen Ausführungen
deutlich geworden sein, dass unser Europa-Projekt damals auch
für meine regionale Musikforschung wichtige Ansätze geliefert hat,
die sich bis heute auswirken. In Erwartung weiterer
Schellack-Schätze - und ich habe noch verschiedene Adressen, wo ich
solche weiß - möchte ich es bei diesen groben Betrachtungen
belassen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Vortrag in Kißlegg, 2007 |
|